„… dann hat es überhaupt nicht mehr aufgehört!“

Elke Traue, Lehrerin an der Valckenburgschule und Künstlerin
Ein Portrait – gezeichnet von Uwe Beck

„Der Kaffee läuft schon!“, schallt es aus dem Atelier
der Künstlerin quer durchs Wohnzimmer. Zu einem solchen hatte ich mich eingeladen, und das klappt dann auch tatsächlich. Künstler und Termine! Doch Elke Traue ist eine ganz besondere. Kein Chaos in der Wohnung, und Termine werden pünktlich eingehalten. Es ist Vormittag, und Elke Traue ist schon in ihrem Atelier – gleich neben dem Wohnzimmer – zugange. Eine Künstlerin, fit und kreativ am Morgen? „Ich hatte immer gedacht, morgens geht das nicht. Doch heute male ich vor dem Unterricht, oder abends. Das geht ganz gut.“

Wie gut das geht, das zeigen ihre Bilder. Auf etwa
200 „fertige Arbeiten“ kommt Elke Traue. Einige sind verkauft, andere haben
der Ehemann Harald sowie die Kinder Boris und Julia eingeheimst. „Kein Verkauf
– die Bilder bleiben in der Familie!“ Bilder zu verkaufen ist für Elke Traue
schon wichtig, aber wichtiger ist etwas anderes. „Der Verkauf ist Anerkennung
meiner Arbeit!“ Und mehr noch: „Manchmal entdecke ich erst, dass ein Bild
gut ist, wenn jemand anderes sich dafür interessiert.“

„Dein Kaffee wird kalt!“ – Das passiert mir eigentlich nie, doch wenn ein interessantes Leben auch noch auf interessante Weise erzählt wird, müssen Prioritäten gesetzt werden. Elke Traue – in Wiblingen geboren, und in Wiblingen geblieben. Das klingt wenig spannend, fast schon deprimierend, doch Elke Traue ist kein Stubenhocker. 1978 geheiratet und seit 1980 im eigenen Haus, wollte sie schon früh wieder weg. 1983 nach Kanada für ein Jahr, die Familie im Huckepack mit dabei, „der richtige Start“, der Schritt zur Künstlerin.
Sie wollte Fußfassen in der Kunst, belegte Kurse für Zeichnen und Malerei
an der University of Calgary. Und das hat auch geklappt. „Als ich zurückkam,
dann hat es überhaupt nicht mehr aufgehört!“ Jahr für Jahr ging’s in den Großen
Ferien für zwei Wochen nach Trier zur künstlerischen Sommer-Akademie, und
dann – man schrieb das Jahr 1993 – die erste Ausstellung. Sie reichte zum
erstenmal ein Bild ein, das von der Jury auch gleich akzeptiert wurde. Das
Bild „Migräne und Fetisch“ wurde verkauft und hängt jetzt irgendwo im Regierungspräsidium Tübingen.
Elke Traue hat einen eigenen Stil, pickt bei Vorbildern dies und jenes raus.
Und sie ist Lehrerin an der Valckenburgschule. Jetzt glänzen die Augen, und der Ton wird schwärmerisch: „Es gibt eine Kooperation zwischen der Ulmer Künstler-Gilde und der Valckenburgschule. 12 Schülerinnen und Schüler sind bei dieser Kunst-AG dabei. Das funktioniert super! Kein Notendruck! Ich kann Kunst vermitteln, wie es mir wichtig ist. Die Schüler fragen nicht: Frau raue, ist das richtig so? Die Schüler drücken sich selbst aus und fragen nicht, was andere erwarten!“ – Moment bitte, kurze Pause, ich muß das alles erst mal aufschreiben….

Schule ist wichtig, sagt sie. „Ich möchte darauf nicht verzichten; malen ist einsam.“ Sie fühlt sich wohl und akzeptiert an der Valckenburgschule, freut sich immer wieder auf ein tolles Kollegium, das zusammenhält – und nicht zuletzt: „Ich mag heterogene Klassen! Deshalb bin ich gerne an einer beruflichen Schule!“

Familie, Kunst, Schule – was jetzt noch fehlt, ist der Sport. Snow-Boarden, Fahrradfahren, Segeln. Die Segelführerin mitDiplom genießt dann die Ruhe, liest (keine Fachbücher!), plant Reisen ohne Komfort, dafür mit Rucksack abseits der großen Hotels. Sie sammelt dort vor allem das eigentümliche Licht, Farben, und das sieht man ihren Bildern auch an. Elke Traue, geb. Müller, ist eine ausgezeichnete Künstlerin im wahrsten Sinne des Wortes. Der Gilde-Preis 2005 ging an sie. „Der Preis ist wichtig, weil er meine Arbeit anerkennt.“ Und geplante Ausstellungen? „Derzeit nicht – aber dein Kaffee wird kalt!“ Ich trinke aus, will gehen, werde an der Tür wieder zurückgepfiffen. „Ja klar, ich stelle derzeit in Italien aus! Zusammen mit dem Sendener Kunstverein, in Chioggia bei Venedig, im Museum San Francesco Fuori le Mura!“ Eine eigene Ausstellung in Italien vergessen – das ist sympathisch und kann bei Elke Traue schon mal vorkommen!

Einführung Prof. Dr. Claus Bischoff

„Vergänglichkeit“

Großformatige Zeichnung, Malerei, Frottagen von Elke Traue

Einführungstext zur Eröffnung der Ausstellung am 18. Mai 2017
im Künstlerhaus im Ochsenhäuser Hof, BBK Ulm

Claus Bischoff

Liebe Elke, meine Damen und Herren!

Als Elke Traue letztes Jahr drüben in Neu-Ulm mir ihre wandfüllenden Grafit-Zeichnungen zeigte, fielen mir ein paar Verse ein.

O Bäume Lebens, o wann winterlich?
Wir sind nicht einig. Sind nicht wie die Zug-
vögel verständigt. Überholt und spät,
so drängen wir uns plötzlich Winden auf
und fallen ein auf teilnahmslosen Teich.
Blühn und verdorrn ist uns zugleich bewußt.
Und irgendwo gehn Löwen noch und wissen,
solang sie herrlich sind, von keiner Ohnmacht.

Also, Rilke, 4. Duineser Elegie (Rilke, 1976).

Ich glaube, ich stehe jetzt hier, weil ich, Freund der Familie Traue, diese Verse vor mich hinsagte und Elke sich angesprochen fühlte.

Schauen wir uns die Bilder an.

Die Großformate: zeigen totes Holz. Raumfüllend schwarzweiß mit Grafitstift gezeichnet. Auf Papierbahnen, die Elke beim Zeichnen direkt auf Wände mit Raufasertapete genagelt hat, daher der Frottage-Effekt. Die Anordnung der Stäbe: senkrecht, waagrecht, diagonal – stehend, liegend, fallend. Mitunter wie eine Sperre, durch die schwer durchzukommen ist.

Äste und Stämme sind plastisch ausgearbeitet, auf zwei der Großformate gibt es so etwas wie Vordergrund und Mittelgrund, angedeutet durch Schatten am Boden, in dem sie stecken. Sie stecken tatsächlich eher, als dass sie aus dem Boden wachsen. Die dicken Äste spannen sich über das ganze Bild, bei vielen sind Anfang und Ende nicht zu sehen, bei den dünneren Zweigen erkennt man die Spitze. Die Äste und Bäume sind nicht verzweigt, es gibt nur ein paar Stummel, die von abgesägten oder abgebrochenen Ästen zeugen. Jeder Ast oder Stamm steht, liegt, fällt für sich, es ist eine Ansammlung, keine Gemeinschaft.

Außer Totholz ist da nichts. Schon gar nichts Menschliches. Nicht einmal welke Blätter, weder an den Ästen, noch am Boden. Der Raum ist offen und leer. Es geht in diesen Großformat-Bildern streng zu und karg. Aber nicht nur. Diese Äste und Stämme sind eben nicht allein plastisch ausgearbeitet, sie sind es sehr detailliert mit Rinde und Kerben, als wäre die Rinde aufgeplatzt oder bearbeitet, behauen oder verletzt worden, sie bekommen dadurch eine fast hyperreale Dichte, man möchte sie anfassen. Wenn in diesem Zusammenhang das Wort gestattet ist: Sie sind auch auf eine Weise schön.

Die Bilder sind in einem Raum entstanden, den das Künstlerhaus Ulm in einem ehemaligen Bürohaus in Neu-Ulm angemietet hat. In einem entleerten Raum, der nicht mehr in seiner Ursprungsfunktion verwendet wird – in einem Haus, bei dem es nicht feststeht, was aus ihm wird. Auch hier das Thema „Vergänglichkeit“.

Unter den Großformaten sind zwei Bilder, die Farbe zeigen: Grün. Und diese Farbe begegnet uns wieder in den kleineren Formaten.

Die kleineren Formate: quadratisch auf Transparentpapier zwischen zwei Glasscheiben. Auch wieder totes Holz, fast ausschließlich in der Senkrechten, diesmal im Kontrast zu Grüntönen, die zwischen lindgrün und blaugrün spielen. Grafit und Kohle gegen Acrylfarben. Wir wissen nicht genau, was es mit dem Grün auf sich hat. Auf dem einen Bild steht es rechts oben flächig neben etwas Dunklem, auf einigen Bildern scheint es die Räume zwischen den schwarzen Stämmen zu füllen, manchmal nimmt es selbst schemenhaft die Gestalt von Baumstämmen oder von Blattwerk an, manchmal umspielt es das Dunkel der Stämme oder überdeckt es.

Großformate und Kleinformate stehen in einer zeitlichen Folge. „Ich hatte irgendwann wieder Lust auf mehr Farbe, auf Frühlingsgrün“, sagt Elke. Das Stirb-und-Werde in der Natur wiederholt sich als persönliche Erfahrung und findet in den Bildern Ausdruck: nach der Auseinandersetzung mit Vergänglichkeit und Tod die Rückkehr von neuem, frischem Leben. Allerding bleibt ein scharfer Kontrast, ein Nebeneinander. Frühling ja, aber ein Frühling mit nicht getilgter Vergangenheit.

Eigentlich könnte ich mit der Einführung jetzt aufhören. Jeder könnte sich jetzt selbst von den Arbeiten anmuten lassen und seine Gedanken machen. Wie ist die Künstlerin gestalterisch vorgegangen, was ist daraus entstanden? Was passiert in mir, wenn ich die Bilder betrachte? Will ich sie überhaupt ansehen oder würde ich lieber wegschauen? Das Thema ist nicht heiter, bei allem Grün. Ich will doch noch etwas sagen.

O Bäume Lebens, o wann winterlich? fragt Rilke zu Beginn der Elegie. Bäume werden oft anthropomorph gedeutet, sie stehen aufrecht wie der Mensch und wie dieser wachsen und vergehen sie. In einigen östlichen Kulturen gelten sie als mythische Ahnen des Menschen. O Bäume Lebens, o wann winterlich? könnte also heißen: Wann wird es bei uns so weit sein, dass wir sterben? Wir können uns diese Frage stellen, denn Blühn und verdorrn ist uns zugleich bewusst. Wir wissen um unsere Vergänglichkeit. Wir mögen uns im Augenblick herrlich fühlen – im Gegensatz zum Tier, zum Löwen, wissen wir, dass es nicht so bleiben wird.

Ein winterlicher Baum ist ein lebender Baum. Der im Winter kahle Laubbaum wird er im Frühling wieder austreiben. Elke Traues Stämme, Äste, Bäume sind nicht in diesem Sinne winterlich. Sie sind tot. Sie werden im nächsten Frühjahr kein Laub, keine Blüten, keine Früchte tragen. Das Totholz ist das Letzte, was von ihnen geblieben ist, und auch das Totholz wird verrotten. Totholz ist das Gebein der Bäume. Totholz erinnert an unsere eigenen Gebeine, an Knochen. Sprechen wir bei einem abgestorbenen Baum nicht auch von einem Baumskelett? Auch Totholz und Knochen sind in den Kreislauf der Natur eingeschlossen. Aber sie bezeugen das Ende des einzelnen Baums oder der einzelnen Person.

Wie gehen wir, die wir um unsere Vergänglichkeit wissen, mit diesem Wissen um? Ernest Becker und in seiner Nachfolge der britische Philosoph Stephen Cave sagen sehr radikal, unser Leben ist eine einzige Anstrengung, die Angst vor dem Tod in Schach zu halten, indem wir sie verleugnen. Alles, was wir hervorbringen, unsere ganzen Kulturleistungen sind Terrormanagement. Im Grunde werden wir mit unserer Vergänglichkeit nicht fertig.

Was wir gegen sie tun, sind Hilfskonstruktionen. Wir geben uns Antworten auf Fragen, auf die es keine Antworten gibt.

Die Philosophen selbst haben ihre eigene Art, uns zu beruhigen. Zum Beispiel, indem sie unseren Wunsch nach Unsterblichkeit demontieren. Die Ewigkeit sei so verdammt lang. Wenn wir sie uns mit ihren wenig anziehenden Details genau vor Augen führen, erscheine die Angst vor der Vergänglichkeit in einem anderen Licht. Es wird auch gern Epikur das Wort erteilt: Der Tod berührt uns nicht, sagt er… Erst bin ich nicht dagewesen, dann bin ich dagewesen, dann bin ich nicht mehr da. Ich mach mir deswegen keinen Kopf (Brief an Menoikeus, 125) Dasselbe in der Sprache Wittgensteins (1971): Der Tod ist kein Ereignis des Lebens. Den Tod erlebt man nicht. Oder in einem Bild des Zeitgenossen Cave: Stellen Sie sich Ihr Leben als Buch vor, die Klappseiten, den Anfang, das Ende. Sie kennen nur die Momente dazwischen, die Momente, die ihr Leben ausmachen. Es hat keinen Sinn, sich vor dem zu fürchten, was außerhalb der Klappseiten liegt… Und sie müssen sich auch keine Gedanken machen, wie lang das Buch ist… Es zählt nur, dass Sie dafür sorgen, dass es eine gute Geschichte ist.“ (Cave, 2013)

Ein ansprechender Gedanke – aber ein Gedanke. Ob er hilft? Die Angst vor dem Tod ist die Angst vor dem Tod – und sie ist auch ein Schmerz in Anbetracht von Vergänglichkeit. Wir verlieren nahestehende Menschen und wissen nicht, wie den Schmerz aushalten. Elke hat in den letzten Jahren mehrere Menschen verloren, die ihr viel bedeuteten. Die Bilder zeigen, wie sie mit dem Schmerz umgegangen ist – wie man mit großem Schmerz umgehen kann, ohne ihn zu verleugnen: sich mit ihm konfrontieren, ihn verwandeln und ihn gestalten. Aus den menschlichen Gebeinen wird Totholz. Wir haben die Vergänglichkeit als Metapher vor Augen. Für die Künstlerin kommt zur Konfrontation das Gestalten. Zu gestalten ist Konfrontation, Verwandlung und Distanzierung in Einem. Jeder Strich mit dem Grafitstift und mit dem Pinsel ist eine künstlichere und auch handwerkliche Herausforderung an das beabsichtigte Abbilden. Indem ich diese Aufgabe annehme, dem Schmerz künstlerisch Ausdruck zu verleihen, gebe ich ihm einen Ort, an dem er Schmerz sein darf, einen Ort aber auch, dem ich irgendwann den Rücken kehren kann, selbst wenn ich sehr genau weiß, dass es ihn weiterhin gibt.

Ich finde, Elke Traue hat diese Aufgabe wahrhaftig und meisterlich gelöst. Ich möchte sie zu dieser großartigen Ausstellung beglückwünschen, die uns erlaubt, ein Stück von dem Weg nachzuvollziehen, den sie gegangen ist.

Quellen

Cave, Stephen (2012). Unsterblich. Die Sehnsucht nach dem ewigen Leben als Triebkraft unserer Zivilisation. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Mai

Cave, Stephen (2013). TED-Talk: The 4 stories we tell ourselves about death. https://www.youtube.com/watch?v=PB7xs7UpIfY

Epikur von Samos: Brief an Menoikeus. Text, Übersetzung und Kommentar
W. Rother & M. Erler (2014) (Hrsg.). Schwabe Epicurea

Rilke, R.M. (1976). Duineser Elegien. Bibliothek Suhrkamp.

Wittgenstein, L. (1971).: Tractatus logico-philosophicus, 8. Aufl. Frankfurt am Main: Suhrkamp, S. 113

„In die Tiefe“

Ausstellung in Sibiu anlässlich der Kulturhauptstadt Europas 2007

Gemeinsam mit Luxemburg war Sibiu 2007 die Kulturhauptstadt Europas. Sibiu trägt verschiedene Namen Hermannstadt nach den ehemals deutschen Bürgern, Nagyszeben nennen die Ungarn die Stadt und siebenbürgisch-sächsisch Hermestatt. Europäisch allesamt. Anlässlich dieses Kulturereignis war die Altstadt herausgeputzt, der Große Ring als zentraler Platz der Altstadt, der Kleine Ring und die Heltauer Gasse saniert worden. Wichtige historische Gebäude wurden mit Mitteln der EU, bundesdeutschen Fördergeldern und staatlichen rumänischen Geldern renoviert.

In einem der schönsten historischen Gebäude, dem Rathaus der Stadt, fand am 31. Mai eines der Ulmer Beiträge statt, die Vernissage der Malerei und Zeichnungen von Elke Traue „In die Tiefe“. Diese Ausstellung war Teil der Kulturwerkstatt Ulm-Sibiu, mit der die enge Kooperation der beiden Städte dokumentiert wurde.

Der Transport der Ausstellung zusammen mit Requisiten für Theateraufführungen in speziell angefertigten Kisten ging frühzeitig mit einer Spedition von Ulm auf die Reise nach Transsylvanien. Die Künstlerin Elke Traue kam mit dem Flugzeug angereist und konnte die Bilder für die Hängung zunächst nicht finden. Die gesamte Ausstellung schien verschollen und die Organisatoren der Kulturhauptstadt enorm unter Stress. Es war auch nicht klar, ob die Ausstellung gehängt werden sollte. Fieberhaft machte sich das Team auf die Suche.

Aber die Aufregung war unbegründet, denn alles war perfekt organisiert: Plakate hingen in der Stadt, mehrsprachige Handzettel gedruckt und die Hängung war im ehrwürdigen Rathausfoyer. Kaum waren die Bilder von Elke Traue an den Wänden, strömten schon die ersten Besucher zwischen die Bilder und belagerten die Künstlerin mit Fragen nach Technik, Farbigkeit und der Intentionen für die Werke.

Die Ulmer Delegation kam in voller Stärke zur Ausstellungseröffnung am Nachmittag. Ulm wurde vertreten durch zahlreiche Honoratioren der Stadt. Unter ihnen der damalige Finanzbürgermeister Gunter Czisch (heute Oberbürgermeister von Ulm), Sabine Mayer-Dölle Bürgermeisterkollegin für das Kulturelle, Iris Mann (jetzt selber Kulturbürgermeisterin) und Peter Langer vom Donaubüro Ulm.

Eröffnet wurde die Vernissage durch einen lokalen Chor und die Rede vom damaligen Oberbürgermeister Klaus Johannis, den wir jetzt als Staatpräsident von Rumänien kennen: ganz großer Bahnhof für Elke Traue also. Klaus Johannis erwies sich als kunstkundiger Mann von Welt.

Auszug aus der Rede von Ulrike von Quast zum Gildepreis:

Elke Traue malt seit 1983 zu unterschiedlichen Themen und mit verschiedenen Techniken. Bei ihrer letzten Ausstellung vor wenigen Monaten in der Stadtbibliothek in Neu-Ulm fiel sie mit einer sehr emotionalen Bildserie unter dem Titel Palimpsest auf. Diese klein- und gleichformatigen Bilder hat Elke Traue nun in Acryl im Format 140 x 180 weiter entwickelt. Davon wurden die beiden eingereichten Arbeiten „durch dich habe ich“ und „als sie ihren Schnabel weit öffnete“ mit dem Gildepreis ausgezeichnet.

Wie schon die derzeitige Bezeichnung Palimpsest (griechisch für abgeschabtes, ehemals beschriebenes und neu verwendetes Pergament) warnend vermerkte, reklamieren die Bilder einen neuen Standpunkt in Elke Traues Malerei; sie sind anziehend; ziehen die Aufmerksamkeit auf sich, ohne einfach schön sein zu wollen. Im Gegenteil sie können Angst und Schrecken verbreiten, aber es ist schwer sich ihrem Eindruck zu widersetzen. Die Bilder entstanden ursprünglich im Entwurf auf mehreren Schichten Papier, die anschließend auf Platte gezogen wurden. Jetzt findet man die Entwicklung auf Leinwand ausgearbeitet. Unter den wenigen hier verwendeten Farben, ohne die von Elke Traue gewohnte Schichtung und Differenzierung, tritt ein aggressives Rot hervor, aber kein liebliches warmes Rot, sondern ein leicht ins violette und rosa abgemischtes gefährliches Rot, das allerdings durch cremiges Weiß und andere warme Farbtöne abgemildert wird.

Die Bilder sind schnell gemalt. Auf den Bildern finden sich unlesbare oder übermalte Textfragmente. Sie sind grafisch strukturierend in die Komposition integriert, ergeben aber keinen semantisch erkennbaren Inhalt mehr. Trotz aller Wildheit wirken die Bilder abgeschlossen. Eine Art ästhetische Katharsis hat sich Ausdruck verschafft. Auch ohne die gedruckten oder geschriebenen Text- und Wortfragmente lesen zu können, ist die emotionale Auf- und Entladung der Bilder spürbar. Eine Variante der expressiven Malerei ist von Elke Traue ist eröffnet. Diese Variante bedient sich des Wortes als gestalterisches Element mit eigener Kraft. Dies wirkt aber nicht willkürlich und kalkuliert, als ob es eines neuen Stilelementes bedurfte, sondern spontan und unmittelbar notwendig.

©Elke Traue — IMPRESSUMDATENSCHUTZERKLÄRUNG